Warum ich diese Schule gegründet habe
Ich bin fest davon überzeugt:
Wenn ein Kind in einem Raum leben und lernen darf, in dem es nicht gebrochen wird, sondern gesehen wird – auch in seiner Neurobiologie –, dann trägt es diese Erfahrung weiter.
Ein Kind, das erlebt hat, dass seine Natur nicht bekämpft werden muss, kann später vielleicht selbst Räume schaffen, in denen auch andere Menschen nicht gebrochen werden.
In denen Tiere nicht gebrochen werden.
In denen Natur nicht gebrochen wird.
Sondern in denen das Leben respektiert wird.
Ich wünsche mir, dass hier Kinder heranwachsen, die eine neue Welt in diese Welt setzen.
Das ist mein Anliegen.
Deshalb habe ich diese Schule gegründet.
Und ich freue mich sehr auf die Kinder, auf ihre Familien und auf die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen, Schulleitungen und allen Menschen, die diese Kinder bereits mit grosser Hingabe begleiten.
Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg.
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Über mich
Ich habe meine Doktorarbeit in Sozioökonomie magna cum laude abgeschlossen.
Doch die vielleicht wichtigste Forschung meines Lebens hat nie in einem Seminarraum begonnen.
Sie begann mit einer Frage.
Wie lernen Menschen wirklich?
Was geschieht, wenn ein Mensch nicht in die Ordnung passt, die für ihn vorgesehen wurde?
Was wird möglich, wenn ein Kind nicht zuerst danach beurteilt wird, wie gut es sich in etwas einfügt, sondern danach, was in ihm gesehen werden kann?
Diese Fragen haben mich über viele Jahre begleitet.
Ich habe geforscht, gelesen, beobachtet, hinterfragt - auch in meiner Arbeit als Heilpädagogin - und immer wieder neu begonnen, zu verstehen.
Und irgendwann wurde mir bewusst, dass ich diese Fragen nicht nur wissenschaftlich stelle.
Ich trage sie selbst.
Ich wurde durch die Begabtenförderung gefördert und in alle Begabtenförderwerke aufgenommen, bei denen ich mich beworben hatte.
Ich kenne Begabung deshalb nicht nur als Begriff.
Ich kenne das Gefühl, wenn jemand etwas in einem erkennt, das noch keinen Namen hat.
Ich kenne aber auch das Gefühl, anders zu sein.
Neurodivergent zu sein bedeutet für mich nicht, etwas über Menschen gelesen zu haben.
Es bedeutet, eine andere Art des Wahrnehmens, Denkens und Fühlens aus eigener Erfahrung zu kennen.
Und dann kam mein Kind.
Ein Kind, in dem ich vieles wiedererkannte – und gleichzeitig etwas ganz Neues sah.
Plötzlich war es nicht mehr nur mein eigener Weg.
Ich ging ihn ein zweites Mal.
Nicht als Forscherin.
Nicht als Expertin.
Sondern als Mutter.
Und vielleicht ist das die tiefste Form des Lernens:
wenn das Leben selbst zum Lehrmeister wird.
Ich habe noch einmal erfahren, wie schnell ein Kind in einer Welt als schwierig, zu sensibel, zu intensiv, zu langsam oder zu anders bezeichnet werden kann.
Und wie etwas vollkommen anderes entstehen kann, wenn wir innehalten.
Wenn wir nicht fragen:
„Wie bringen wir dieses Kind dazu, in etwas zu passen?“
sondern:
„Was braucht dieses Kind, damit es sein eigenes Potenzial entfalten kann?“
Diese Frage verändert alles.
Denn vielleicht sind Kinder nicht deshalb schwierig, weil sie nicht in unsere Welt passen.
Vielleicht ist unsere Welt manchmal einfach noch nicht weit genug für das, was in ihnen liegt.
Ich glaube, dass wir als Menschheit diese Kinder brauchen.
Wir brauchen Menschen, die anders denken.
Die tiefer fragen.
Die Verbindungen sehen.
Die Dinge nicht einfach deshalb akzeptieren, weil sie immer so gemacht wurden.
Menschen, deren Wahrnehmung nicht entlang der gewohnten Linien verläuft.
Vielleicht beginnt Fortschritt immer dort, wo jemand die Welt ein wenig anders sieht.
Und vielleicht ist es deshalb unsere Aufgabe, diese Andersartigkeit nicht möglichst früh glattzuschleifen.
Sondern ihr Raum zu geben.
Dieser Lernraum ist aus diesem Gedanken entstanden.
Aus Wissenschaft und Erfahrung.
Aus Begabung und Anderssein.
Aus Forschung und gelebtem Leben.
Aus meinem eigenen Weg – und aus den Wegen, die ich gemeinsam mit meinem Kind und mit den Kindern gehen durfte, die mir auf ihrem schulischen Weg anvertraut waren.
Er ist aus der Überzeugung entstanden, dass Bildung mehr sein kann als Wissensvermittlung.
Dass ein Lernort ein Ort sein darf, an dem ein Kind aufatmen kann.
Ein Ort, an dem es nicht kleiner werden muss, um hineinzupassen.
Ein Ort, an dem seine Fragen willkommen sind.
Seine Tiefe.
Sein Tempo.
Seine Eigenheiten.
Seine Begabung.
Sein ganz eigenes Denken.
Vielleicht bedeutet Bildung im tiefsten Sinne nicht, aus einem Kind etwas zu machen.
Vielleicht bedeutet sie, etwas freizulegen, das längst da ist.
Und ihm die Zeit, den Raum und die Menschen zu geben, die es braucht, um sichtbar zu werden.
Wenn du dich – als Elternteil, Lehrperson oder Schulleitung – und/oder dein Kind in diesen Gedanken wiedererkennst, dann freue ich mich, von dir zu hören.
Vielleicht beginnt mit einer Begegnung ein Weg, der schon lange darauf gewartet hat, gegangen zu werden.