Hochbegabt – und trotzdem findet mein Kind in der Schule nicht ins Lernen
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Es gibt Kinder, bei denen Eltern lange nicht verstehen, wie beides gleichzeitig wahr sein kann...
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Das Kind denkt weit voraus. Es erkennt Zusammenhänge unglaublich schnell. Es liest, forscht, baut, rechnet oder philosophiert über Dinge, die weit über sein Alter hinausreichen.

Und trotzdem wird Schule jeden Morgen schwerer.

Vielleicht kommen Bauchschmerzen dazu. Vielleicht Müdigkeit. Vielleicht Wut. Vielleicht zieht sich das Kind zurück. Vielleicht erledigt es seine Aufgaben nicht mehr, obwohl sie eigentlich viel zu leicht wären.

Und irgendwann entsteht eine Frage, die viele Eltern hochbegabter Kinder kennen:

Wie kann ein Kind so viel können – und gleichzeitig so sehr an Schule leiden?

Die Antwort liegt nicht immer im Kind.

Manchmal liegt sie im Raum, in dem es lernen soll.

Hochbegabung bedeutet nicht automatisch, dass Schule leicht ist

Ein hochbegabtes Kind kann kognitiv unterfordert und gleichzeitig vollkommen überfordert sein.

Das ist kein Widerspruch.

Ein Kind kann den Unterrichtsstoff längst verstanden haben und gleichzeitig Mühe haben mit Lautstärke, häufigen Wechseln, Gruppendynamik, Zeitdruck oder der Menge an Eindrücken, die während eines Schultages auf es einwirken.

Es kann sich nach komplexen Fragen sehnen und gleichzeitig kaum noch Kraft für ein weiteres Arbeitsblatt haben.

Es kann sehr schnell denken und dennoch langsam arbeiten.

Es kann aussergewöhnliche Fähigkeiten besitzen und irgendwann beginnen, an sich selbst zu zweifeln.

Gerade wenn Hochbegabung mit Neurodivergenz, starker Reizoffenheit, hoher Sensitivität oder ausgeprägtem Perfektionismus zusammentrifft, wird dieses Spannungsfeld besonders sichtbar.

Dann reicht es manchmal nicht, einem Kind einfach schwierigere Aufgaben zu geben.

Vielleicht braucht es nicht mehr.

Vielleicht braucht es anders.

Was, wenn nicht das Kind verändert werden muss?

In vielen Situationen richtet sich der Blick zuerst auf das Verhalten des Kindes.

Warum arbeitet es nicht?

Warum verweigert es?

Warum zieht es sich zurück?

Warum kann es sich nicht konzentrieren?

Eine andere Frage kann manchmal viel weiter führen:

Unter welchen Bedingungen könnte dieses Kind wieder lernen?

Was verändert sich, wenn der Raum ruhiger wird?

Wenn weniger Menschen gleichzeitig etwas von ihm wollen?

Wenn eine Lehrperson genügend Zeit hat, wirklich hinzusehen?

Wenn ein Kind eine Frage weiterverfolgen darf, obwohl die Lektion eigentlich schon vorbei wäre?

Wenn Lernen nicht ständig unterbrochen wird?

Manche Fähigkeiten werden erst sichtbar, wenn die Umgebung leiser wird.

Ein kleiner Lernort für tiefes Lernen

Aus diesen Gedanken heraus entsteht beim Verein Hertz Schule ein bewusst kleiner Lernort im Engadin.

Wir möchten keinen Ort schaffen, an dem hochbegabte Kinder einfach schneller durch mehr Stoff geführt werden.

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem sie tiefer lernen können.

In kleinen Gruppen.

Mit klaren und verlässlichen Strukturen.

Mit einer möglichst reizarmen Umgebung.

Mit Raum für Begabungen und individuelle Interessengebiete.

Mit Natur und Bewegung.

Mit Fremdsprachen und sprachlicher Immersion.

Und vor allem mit Zeit für Gedanken, die nicht nach fünf Minuten beendet sein müssen.

Eine Lehrperson kann in einer kleinen Gruppe anders wahrnehmen.

Wann braucht ein Kind eine Herausforderung?

Wann braucht es Orientierung?

Wann braucht es Ruhe?

Wann braucht es ein Gegenüber?

Und wann braucht es jemanden, der einfach sagt:

Du darfst diesem Gedanken weiter folgen.

Tiefe statt permanenter Beschleunigung

Begabungsförderung bedeutet für uns deshalb nicht in erster Linie, immer schneller zu werden.

Ein hochbegabtes Kind muss nicht permanent beweisen, dass es besonders leistungsfähig ist.

Begabung kann auch Tiefe bedeuten.

Das Erkennen eines Musters.

Eine ungewöhnliche Frage.

Das Verbinden verschiedener Wissensgebiete.

Eine intensive Beschäftigung mit einem einzigen Thema.

Oder die Fähigkeit, etwas wahrzunehmen, das anderen entgeht.

Wir möchten Kindern ermöglichen, diese Form des Denkens wieder zuzulassen.

Nicht unter ständigem Leistungsdruck.

Sondern getragen von Beziehung, Klarheit und einer Umgebung, in der ihr Nervensystem nicht permanent mit Anpassung beschäftigt ist.

Lernen im Engadin – auch für Familien von weiter weg

Der Lernort ist als Blockmodell gedacht.

Die Kinder und Jugendlichen verbringen konzentrierte Lernphasen im Engadin und können während dieser Zeit vor Ort übernachten.

Dadurch muss nicht jeden Tag eine lange Strecke zurückgelegt werden und der Lernort ist auch für Familien interessant, die nicht unmittelbar im Engadin wohnen.

Die gemeinsame Zeit erlaubt etwas, das im eng getakteten Alltag oft verloren geht:

anzukommen.

sich einzulassen.

einer Sache nachzugehen.

und Lernen wieder als zusammenhängenden Prozess zu erleben.

Für ältere Schülerinnen und Schüler besteht zudem eine internationale Perspektive durch die Verbindung mit einer in Whitefish, Montana, registrierten K-12/High School bis hin zur Möglichkeit eines US-High-School-Diplomas.

Vielleicht ist die entscheidende Frage eine andere

Unser Lernort ist nicht für jedes hochbegabte Kind gedacht.

Viele Kinder finden innerhalb ihrer bestehenden Schule gute Bedingungen und Menschen, die sie hervorragend begleiten.

Aber es gibt auch jene Familien, die längst spüren:

Da ist so viel in meinem Kind – aber im Moment kann es kaum noch darauf zugreifen.

Dann lohnt es sich vielleicht, nicht länger nur zu fragen:

Wie können wir das Kind dazu bringen, wieder besser zu funktionieren?

Sondern:

Welche Bedingungen braucht dieses Kind, damit Lernen wieder möglich wird?

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort.

Nicht indem ein Kind kleiner wird, damit es in den vorhandenen Raum passt.

Sondern indem wir beginnen, einen Raum zu schaffen, der gross genug für dieses Kind ist.

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Verein Hertz Schule

Kleiner Lernort und Begabungsförderung im Engadin

Weitere Informationen:

www.hertzschule.ch/schule

Familien, die herausfinden möchten, ob unser Lernort für ihr Kind passend sein könnte, dürfen sehr gerne Kontakt mit uns aufnehmen.

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